Kleiner Wunsch?

Kleine Wünsche? – Grosse Wünsche?

Waffeln – Oder warum es wichtig ist, immer wieder über seine Wünsche zu sprechen.

Manchmal sagen wir „Oh, das ist aber ein großer Wunsch.“ oder „Ach, nur so kleine Wünsche hast Du?“ Doch was ist überhaupt ein kleiner und was ein großer Wunsch? Auf alle Fälle scheint das vom Betrachter abzuhängen. Für den einen scheint ein Wunsch klein und leicht erfüllbar, für den anderen ist er groß und unerreichbar. Was macht den Unterschied aus?

Ressourcen

Ich denke, es ist wohl der eigene Ressourcenverbrauch. Habe ich keinen Zugang zu Ressourcen wie Zeit, Geld, Wissen, Unterstützung oder den Glauben an meine Selbstwirksamkeit, dann rückt die Erfüllung des Wunsches in weite Ferne. Sind Ressourcen vorhanden aber knapp, bin ich gezwungen damit hauszuhalten. Ich muss vielleicht auf anderes verzichten, um dem Wunsch näher zu kommen. Der Wunsch fordert einen relativ großen Ressourceneinsatz gemessen an meinen Möglichkeiten = der Wunsch ist groß. Er scheint bei guter Planung aber erfüllbar. Habe ich Ressourcen im Überfluss, dann ist es eine Kleinigkeit den gleichen Wunsch zu erfüllen. „Ach das war nicht schwer, das war doch nur ein ganz kleiner Wunsch“. Der Anteil der Ressourcen, die verbraucht wurden, war gering.

Ein Beispiel

Ich liebe Waffeln. Frisch gebacken mit Puderzucker oder heißen Kirschen. Als Kind waren die jährlichen Schulfeste für mich ein Genuss. Es gab mindestens einen Stand an dem Mütter von Mitschülern Waffeln backten. Wie das roch…lecker! Der Biss in den knusprigen Rand…mmhh. Der Dampf der frischen Waffeln stieg mir in die Nase…herrlich. Leider waren weder meine Mutter noch mein Vater Freunde von Waffeln. Mein Vorschlag ein Waffeleisen zu erwerben wurde regelmäßig abgeschmettert. Mir blieben nur die Schulfeste. Ich stand vor dem Waffelstand und beneidete die Kinder, die eine Mutter hatten, die so geschickt leckere Waffeln zaubern konnte. Der Wunsch war groß – gemessen an meinen Ressourcen. Ich hatte nur ein wenig Taschengeld. Der Kauf eines Waffeleisens hätte mich ein Großteil meiner Reserven gekostet. Die Unterstützung in der Familie war gering. Meinen Eltern hielten meinen Wunsch wohl nicht wirklich für relevant. Ich hatte auch keine Ahnung, was man für Waffeln alles braucht. Vielleicht hätte ich meine Großmutter um Hilfe bitten können. An diesem Punkt kam mein geringer Glaube an die Selbstwirksamkeit ins Spiel. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es bei uns zu Hause Waffeln geben würde, selbst wenn ich ein Waffeleisen besorgt hätte. Der Wunsch nach einem Waffeleisen blieb ein Wunsch. Er überdauerte viele Jahre. Als ich 1999 meinen späteren Mann kennenlernte war ein Waffeleisen eine der ersten gemeinsamen Anschaffungen. Mein Mann hatte als Kind auch immer vor den Waffelständen gestanden…

Fazit

Und was soll das Ganze? Wenn ein und selbe Wunsch groß oder klein sein kann, dann ist das gut zu wissen. Es gilt es denjenigen zu finden, der über die Ressourcen verfügt, die meinen großen Wunsch kleiner machen. Die Person hat vielleicht Wissen, das hilfreich ist. Sie kann mir Unterstützung geben oder meinen Glauben an die Selbstwirksamkeit erhöhen. Also: Sprecht über Eure Wünsche! Wenn ihr sie immer wieder ansprecht, stehen die Chancen gut, dass ihr jemanden findet, der Euch weiterhelfen kann. Ihr wollt auf einem Elefanten reiten? Nun ja, da ist ein Zirkus in der Stadt…und der Elefantendompteur hat vielleicht gerade Hunger auf Waffeln, aber kein Waffeleisen im Schrank…

Liebe Grüße

Caren Zimmermann